Weltrekord beim Green Speed Cup 2013 - Längster Flug eines Elektroflugzeugs

e-genius Pilot Klaus Ohlmann

Bereits am ersten der beiden Wertungstage des Green Speed Cups erflog sich das Elektroflugzeug e-Genius einen Weltrekord, indem es die gegebene Aufgabe einer Dreiecksstrecke über 405km souverän bewältigte. Nie zuvor ist ein reines Elektroflugzeug weiter geflogen. Dies bedeutet einen Meilenstein im Bereich der Elektromobilität. Waren Elektroflugzeuge bislang noch als technische Sondermaschinen eher skeptisch beobachtet worden, wird mit diesem Flug klar, dass die Grenze zum alltagstauglichen Reiseflugzeug derzeit überschritten wird.


Dabei fand der Flug keinesfalls unter Laborbedingungen statt. Im harten Vergleich mit konventionellen Reiseflugzeugen der <2t-Klasse bei dem es primär um die beste Reiseeffizienz der einzelnen Typen ging, brauchte sich die e-Genius mit Klaus Ohlmann im Cockpit, in keiner Disziplin zu verstecken. Das Flugzeug beeindruckte nicht nur mit seiner Sparsamkeit und seinen ausgereiften Detaillösungen sondern auch mit seinen beachtlich hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten von im Mittel 170km/h. Alle Flüge fanden unter für Mitteleuropa typischen Wetterlagen mit mäßigem Wind und aktiver Atmosphäre statt.


Mit großem Vorsprung setzte sich die e-Genius letztlich an die Spitze des Teilnehmerfeldes. Vor dem insgesamt Zweitplatzierten mit 456 Punkten und dem Drittplatzierten mit 394 Punkten gewann sie mit insgesamt 2000 Punkten. Den zweiten Platz holte sich dabei die kleine und unscheinbare SD-1 mit Tim-Peter Voss an Bord. Der dritte Platz ging an Titelverteidiger Markus Scherdel, der mit einer S10VT, einem Motorsegler mit einklappbarem Propeller teilnahm. Beide Flugzeuge sind konventionell mit Kolbenmotoren ausgerüstet. Sie machten als effizienteste konventionell angetriebene Flugzeuge die drastische Überlegenheit des Elektroantriebs gegenüber Verbrennungsmotoren in der Luftfahrt erstmals in dieser Weise deutlich.


Werden Elektroflugzeuge und Flugzeuge mit konventionellen Antrieben für gewöhnlich als getrennte Klassen betrachtet, werden beim Green Speed Cup alle Technologien, die zum Reisen in der Luft verwendet werden können verglichen. Dabei geht es jedoch nicht nur um die Art des Antriebes, sondern auch um das Gesamtkonzept der Fluggeräte. Es ist beispielsweise neben der aerodynamischen Gleitleistung auch wichtig, wie gut das Flugzeug in der Lage ist, Auf- und Abwinde gewinnbringend zu nutzen und dadurch Energie einzusparen. Des Weiteren müssen reiseeffiziente Flugzeuge auch gute Steigleistungen besitzen, um eventuell höher gelegene günstigere Luftströmungen schnell erreichen zu können.


Der Wettbewerb findet jährlich in der Nähe von Berlin, in Strausberg statt. Um nicht ein einziges Konstruktionsmerkmal oder eine spezielle Flugeigenschaft herauszustellen und überzubewerten, werden die Flugzeuge an mehreren Tagen unter unterschiedlichsten Wetterbedingungen miteinander verglichen. Den Teilnehmern wird an jedem der Wertungstage eine Aufgabe in Form eines Rundkurses gestellt. Die Strecken sind zwischen 150km und 500km lang. Es gewinnt das Flugzeug, welches mit geringstem Energieverbrauch die Strecke am schnellsten bewältigt. Es wird also nicht einfach nur der Energieverbrauch pro Streckenkilometer bewertet, sondern explizit die dafür benötigte Geschwindigkeit. Diese soll beim Reisen in der Luft ausdrücklich im Vordergrund stehen. Ziel des Wettbewerbs ist es letztlich, eine objektive Beurteilung verschiedener Flugzeuge unter realen Einsatzbedingungen zu erreichen. Hat ein Flugzeug an mindestens drei Wettbewerben teilgenommen, wird es in die Gesamtwertungsliste der bewerteten Flugzeugtypen aufgenommen. Bisher gibt es keine andere Institution, die Motorflugzeuge unter dem Gesichtspunkt der Reiseeffizienz fundiert beurteilt.

Daten zum Wettbewerb

Initiatoren: Philipp Heinemann; Robert Adam; Phillip Scheffel
Ort: Strausberg (Berlin)
Zeitraum: 06.09.13 – 09.09.13
Teilnehmer: 11 Teams (Flugzeuge)
Flüge 2013: 25
Durchschnittsgeschwindigkeit über alle Flüge 2013: 163 km/h
Durchschnittsverbrauch über alle Flüge 2013: 7,3 l/100km
Nächster Wettbewerb: voraussichtlich Juni 2014
Prominenz: Klaus Ohlmann, Weltrekord-Segelflieger, hält aktuellen Streckenrekord für Segelflug (>3000km), mehrere Andenexpeditionen, Mountain Wave Project, Leewellenforscher, im kommenden Oktober Himalayaexpedition
Markus Scherdel, Testpilot Solarimpuls, DMST Gewinner 2002
Ausgerichtete Wettbewerbe insgesamt: 3
Kooperationspartner: TU-Dresden; FU-Berlin; Cafe Foundation
Web: www.greenspeedcup.de

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